Drei Fragen an unseren Headchoach Thomas Kösling

Frage:

Thomas – eine aufregende und spannende zweite Saison in der ELF biegt auf die Zielgerade ein und dein Team hat vielen Fans als amtierender Champion viele Höhen und Tiefen beschert – wie bewertest du den bisherigen Saisonverlauf?

Antwort:

Die Saison ist eine der aufregendsten Spielzeiten, die ich bisher erleben durfte. Wir wussten, dass wir als Champion eine besondere Zielscheibe auf dem Rücken tragen und dass wir mit der Central Division in der sogenannten Todesgruppe der Liga gelandet sind. Wir haben uns von Anfang an auf diese Herausforderungen gefreut und trotz eines klassischen Fehlstartes von zwei Niederlagen haben wir uns zurück in die Position um die Playoffs gekämpft. Wir haben viele nervenaufreibende Partieen gespielt und dabei hat die Mannschaft eine unglaubliche Moral bewiesen, immer wieder ein Spiel drehen zu können. Diese Qualität ist sehr speziell und zeigt den besonderen Charakter, weswegen ich auch sehr stolz auf diese Mannschaft bin.

Frage:

Das letzte Spiel gegen Rheinfire war vor 12000 Zuschauer ein Highlight, Dramatik pur und mit dem last minute knockout sicherlich auch für dich ganz speziell. Wie hast du das Spiel sowie das etwas chaotische Ende erlebt?

Antwort:

Das Spiel war ein Spiegelbild unserer Saison. Dramatik pur bis zum Schluss, aber ein unheimliches Kämpferherz unseres Teams und die erneute Qualität, einen 20:9 Rückstand zu drehen. Der letzte Drive unserer Offense von über neun Minuten und einem Touchdown bei noch 20 Sekunden zu spielen war vielleicht das Beste, was ich von einer Offense in so einer Situation je gesehen habe. Was sich danach abspielte, ist für mich eine immer noch schwer zu realisierende Situation, die leider das Spiel zu Gunsten von Rhein Fire gedreht hat.

Eine 15 Yard Strafe für unsportliches Verhalten verhängt zu bekommen, weil wir zu spät aus einer Timeout zurückgekehrt sind, habe ich weder als Spieler, Trainer oder Beobachter jemals gesehen oder erlebt.

Ich habe danach mit vielen externen Coaches und anderen Personen gesprochen. Keiner konnte verstehen, wie so eine Strafe überhaupt zu Stande kommt. Erst recht nicht in so einer speziellen und sehr sensiblen Situation, fünf Sekunden vor dem Ende, bei so einem Punktestand.

Normalerweise gibt es eine klare Kommunikation zwischen den Schiedsrichtern und den Coaches im Hudl, wann man als Team wieder zurückzukehren hat. Ich glaube, hier ist etwas sehr unglücklich abgelaufen und ich bin auch der festen Überzeugung, dass anders gehandelt hätte werden müssen. Es waren 12.000 sehr laute Fans im Stadion und eine extreme Geräuschkulisse im Stadion. Hätten wir den Schiedsrichter gehört, wären wir einfach zurückgegangen wie sonst auch. Bei so einer Situation muss man Fingerspitzengefühl und auch eine gewisse Sensibilität für Situationen erwarten können. Es gab für uns gar keinen Grund absichtlich oder verzögert vom Feld zu gehen.

Des Weiteren einen Spielzug anzupfeifen obwohl noch so viele Personen auf dem Feld sind, inklusive eines Kameramanns, ist ebenfalls völlig abstrus.

Nichtsdestotrotz und das möchte ich auch mit aller Deutlichkeit sagen, bin ich mir meiner Position als Headchoach bewusst und übernehme dafür auch die volle Verantwortung. Im Endeffekt muss ich dafür sorgen, das alle rechtzeitig vom Feld gehen und das ist nicht passiert. Da hilft auch alles Unverständnis und meine Meinung nicht, dass man diese Situation anders lösen muss.

Frage:

Die Play – Offs sind durch die Niederlage in weite Ferne gerückt – wie gehst du damit um und wie baust du die Spieler für die noch ausstehenden zwei Spiele wieder auf?

Antwort:

Dieses Team hat noch nie aufgegeben und wir werden weiter kämpfen so lange wir eine theoretische Chance haben. In dieser Liga kann alles passieren. Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen und gegen Tirol mit sieben Punkten gewinnen. Das wird schwer genug, ist aber nicht unmöglich. Danach schauen wir wo wir stehen und wie die Situation ausschaut. Nach so einer verrückten Saison würde mich es aber nicht wundern, wenn es nochmals zu einem außergewöhnlichen Ende kommt. Wir werden es bald erleben…

Die neue ELF

Die Sportart American Football wird jetzt auch in Europa auf einem neuen Niveau gespielt: Die European League of Football (ELF) geht mit zwölf Mannschaften aus Deutschland, Österreich, Spanien, Polen und der Türkei in die Saison von Juni bis September. Die neue Liga, gesteuert über ein professionelles Franchise-System, bietet allen Football-Fans auch in der NFL-freien Zeit ein attraktives sportliches Programm. Nach den ersten beiden Serien 2021 und 2022 wird die ELF in den kommenden Jahren weiter ausgebaut.